Meldungen aus dem Landesverband Berlin

100 Jahre Deutsch-Chinesischer Friedensvertrag

Der 20. Mai 1921 ist sicherlich kein sonderlich bekanntes Datum. Doch vor 100 Jahren wurde der Deutsch-Chinesische Friedensvertrag unterzeichnet – ein wichtiges Ereignis für die Beziehungen dieser beiden Staaten. Ein Friedensvertrag mit China? Dies führt bei Vielen sicherlich zur Frage: für welchen Krieg denn? Natürlich handelt es sich um den Ersten Weltkrieg (1914-1918), der auch hier seinen wahrlich globalen Charakter offenbart.

Der 20. Mai 1921 ist sicherlich kein sonderlich bekanntes Datum. Doch vor 100 Jahren wurde der Deutsch-Chinesische Friedensvertrag unterzeichnet – ein wichtiges Ereignis für die Beziehungen dieser beiden Staaten. Ein Friedensvertrag mit China? Dies führt bei Vielen sicherlich zur Frage: für welchen Krieg denn? Natürlich handelt es sich um den Ersten Weltkrieg (1914-1918), der auch hier seinen wahrlich globalen Charakter offenbart.

Direkt nach dem Kriegsausbruch hatte China am 6. August 1914 seine Neutralität in diesem Weltkrieg proklamiert. Doch der am 1. Februar 1917 durch das Deutsche Reich ausgerufene uneingeschränkte U-Boot-Krieg führte nicht nur zum Konflikt mit den USA: Ende Februar wurde auch ein chinesisches Schiff versenkt, bei dem mehr als 500 chinesische Arbeiter umkamen. Das bis dahin vorherrschende positive Deutschlandbild als Kulturnation wurde beschädigt, und aus dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen im März folgerte am 14. August 1917 die Kriegserklärung Chinas an das Deutsche Reich.

China beteiligte sich zwar nicht mit Truppen an diesem Krieg, doch wurde diese Periode zu einer wichtigen Zäsur für die Nation. Insgesamt wurden mehr als 150.000 chinesische Arbeiter an die alliierten Seiten der West- und Ostfront entsandt. Die Arbeiter wurden in der kriegswichtigen Industrie und in den Häfen beschäftigt, viele waren aber unmittelbar an der Front unterstützend tätig: Sie hoben Schützengräben aus und befestigten diese, brachten Munition und andere Versorgungsgüter zu den Soldaten, transportierten Verwundete und bestatteten Tote. Nach dem Kriegsende bargen sie Munitionsreste, Kriegsschrott und menschliche Überreste von den Schlachtfeldern. An allen sieben Tagen der Woche waren 10 Stunden Arbeitszeit vorgesehen. Mehr als 2.000 dieser Arbeiter kamen dabei allein in Frankreich ums Leben – auf dem durch die Commonwealth War Graves Commission (CWGC) verwalteten Chinesischen Friedhof in Noyelles-sur-Mer befinden sich beispielswiese 849 Gräber. Zwischen 1920 bis 1922 kehrten die meisten der chinesischen Arbeiter in ihre Heimat zurück – angereichert um neue Kenntnisse und oftmals mit einem politischen Bewusstsein.

Nach dem Krieg wurden die chinesischen Hoffnungen auf eine gleichranginge Behandlung als Siegernation zutiefst enttäuscht, als das Land an den Friedensverhandlungen in Versailles teilnahm. Großbritannien, Frankreich und Italien hatten mit Japan abgesprochen, dass es das von Japan besetzte deutsche Kolonialgebiet um Tsingtao und das einstige deutsche Einflussgebiet Shandong erhielt. Ebenso wurde der japanische Anspruch auf China bestätigt: mit der Akzeptanz der am 18. Januar 1915 aufgestellten „21 Forderungen“ wäre China zum Protektorat Japans geworden.

Die Bekanntgabe der Behandlung Chinas Anfang Mai 1919 führte zur ersten gesamtgesellschaftlichen politischen Protestbewegung Chinas, der „Bewegung des vierten Mai“, aus Studenten, Arbeitern und Handwerkern in Paris, Peking und anderen Städten. Debattierclubs wurden gegründet und die Zukunft Chinas breit diskutiert. China unterzeichnete als einzige Teilnehmernation den Friedensvertrag von Versailles mit dem Deutschen Reich unter Protest nicht. Vielmehr wurde der am 20. Mai 1921 in Peking unterzeichnete Separatfrieden ausgearbeitet, aus der sich zahlreiche Kooperationen nicht nur im wirtschaftlichen Bereich entwickelten.

Schon während des Krieges war die innenpolitische Spaltung immer deutlicher geworden. Die Behandlung Chinas auf den Versailler Verhandlungen führte zur generellen Enttäuschung über den Westen und zur letztendlichen Abwendung, während sich die innenpolitischen Positionen weiter in die Gegenpole der Kommunistischen Partei Chinas (gegründet 1921) und der Nationalchinesischen Partei Guomindang entwickelten – und damit letztendlich zum langjährigen Bürgerkrieg und den weiteren massiven Folgen für die chinesische Geschichte und Gegenwart.

Dies alles bildet sich natürlich nicht in diesem postkolonialen Friedensvertrag ab – doch schon dieser legte fest, dass „die deutsche Regierung für chinesische Studenten in Deutschland jegliche mögliche Unterstützung für den Zugang zu Universitäten oder den Abschluss ihrer Ausbildung leistet“. Heutzutage studieren nicht nur junge Menschen aus China in Deutschland, sondern auch aus Deutschland in China – 100 Jahre nach der Vertragsunterzeichnung ein weiteres Zeichen für den Frieden.

Text: Martin Bayer

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