Informationstafel-Einweihung auf dem St.-Thomas-Friedhof am 16.9.2026
Viele Menschen besuchen Friedhöfe, sei es, um die Gräber von Angehörigen zu besuchen, sei es, um ein wenig Ruhe und Erholung zu finden, oder auch um die architektonischen und kulturhistorischen Besonderheiten zu bewundern. In Berlin gibt es über 220 Friedhöfe - und 170 Grabstellen für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.
Jene Opfergräber sorgen oftmals für Verwunderung: Jahreszahlen wie “1914-1918” oder “1939-1945” auf den Grabsteinen werden zwar korrekt mit den beiden Weltkriegen verbunden; doch die weiteren Daten auf den Grabzeichen geben Rätsel auf: Denn dort sind auch Frauennamen oder ausländische Namen zu lesen, während viele Altersangaben auf Kinder verweisen.
Die Erklärung ist einfach: Es handelt sich nicht um Soldatengräber, sondern eben um “Gräber für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft”. Diese kompliziert anmutende Bezeichnung hat ihre Gründe, denn sie schließt somit unterschiedliche Opfergruppen mit ein: Soldaten der beiden Weltkriege; viele Zivilisten, die im Bombenkrieg oder bei der Schlacht um Berlin in den letzten Kriegstagen umkamen; Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (z.B. Opfer des “Euthanasie”-Programms, politische oder religiöse Opfer etc.); Opfer der kommunistischen Willkürherrschaft (z.B. Maueropfer oder die Toten des Volksaufstands vom 17. Juni 1953); Vertriebene, Verschleppte, Flüchtlinge, “Displaced Persons” oder Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.
Im Rahmen einer Kooperation mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt werden wir am Mittwoch, den 16. September 2026 eine Informationstafel zu den Gräbern für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft einweihen. Mit dieser Informationstafel können wir über die Umstände aufklären und auf der Tafel Informationen zur Geschichte des Friedhofs und den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft im Allgemeinen wie auf diesem Friedhof geben.
In den Abteilungen 9 und 9a des St.-Thomas-Friedhofs ruhen 2.387 Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in 1.971 Gräbern: Soldaten der beiden Weltkriege, Zivilisten, zwei Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, elf Flüchtlinge und Vertriebene, sowie 14 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus sieben Ländern. Wenn immer möglich, haben die Toten eine eigenes Grabzeichen, sog. Kissensteine, da sie wie ein Kissen schräg auf der Erde ruhen. Hinzu kommen einige Sammelgräber von Toten, die sich nicht trennen ließen. Etwa 10% der Toten blieben unbekannt - auf Berliner Friedhöfen ein übliches Schicksal. Doch auch so haben die Menschen zumindet ein würdiges Grab erhalten.
Diese Opfergrabstätten sind nicht nur Orte der individuellen und kollektiven Trauer, sondern auch Bildungs- und Mahnstätten. Denn der Volksbund nutzt diese Grabstätten für seine Bildungsarbeit mit Schulklassen oder anderen Gruppen; und die Menge der Opfer wie auch deren individuelle Biographien mahnen vor den Folgen von Diktatur und Krieg und sind Zeichen für Versöhnung über den Gräbern.
Zusammen mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt laden wir Sie herzlich zur Einweihung der Informationstafel ein:
Mittwoch, der 16. September 2026
16:30 Uhr
St.-Thomas-Friedhof
Abteilung 9
Hermannnstr. 180
12049 Berlin
ÖPNV: U8 Leinestr.
Den genauen Programmablauf finden Sie alsbald an dieser Stelle!
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