Meldungen aus dem Landesverband Berlin

Deutsch- polnische Jugendbegegnung

Vom 26. bis zum 30. September 2021 fand in Berlin Treptow- Köpenick eine Jugendbegegnung statt.

Seiffert

Vom 26. bis zum 30. September 2021 fand in Berlin Treptow- Köpenick die Jugendbegegnung der acht Schüler:innen des Samorządowego Liceum Ogólnokształcącego aus Zgierz in Polen und den 10 Schüler:innen des Archenhold- Gymnasiums aus Berlin-Treptow statt, die sich jahrgangsübergreifend für den Erinnerungsort Altglienicke einsetzen.  

Auf dem Grabfeld U2 des Friedhofes in Altglienicke sind tausende Opfer aus der NS-Zeit in Urnen begraben. 1950 wurde ein Sammelgrab für sie errichtet, die Toten blieben aber anonym, namenlos Als Klaus Leutner, auf diese Information stieß, wusste er, dass das nicht sein darf. In den Friedhofsunterlagen begann er mit der Recherche nach den Schicksalen der dort auf dieser verwilderten Grabstelle liegenden Menschen. Dabei erkannte er, dass das Grabfeld U2 die letzte Ruhestätte für 1.372 Menschen beinahe aller Altersstufen ist. Unter ihnen sind ermordete Jüd:innen, Zwangsarbeiter:innen, Wiederstandskämpfer:innen und zivile Opfer. Etwa ein Drittel von ihnen kommt aus Polen, ca. 800 Menschen aus Deutschland, der Rest sind Slowaken, Niederländer:innen, Franzosen, Letten und Österreicher:innen, mit verschiedenen Religionen, manche von ihnen Sinti und Roma, andere Zeug:innen Jehovas. Dass alle von ihnen nicht in Massengräbern nahe der Konzentrationslager, in denen sie getötet wurden, begraben sind, sondern auf dem Friedhof in Atglienicke liegen, ist etwas Seltenes und Besonderes.

Am 27. September fand die Einweihungsveranstaltung des Gedenkortes auf dem Friedhof in Altglienicke statt, dessen Herzstück eine grüne Glaswand, nach der Idee des Künstler:innenduos Struber und Gruber . Auf dieser Wand stehen die Namen der 1.372 Toten in der Handschrift von Berliner:innen geschrieben. So wird denen, die bis dahin anonym auf dem Friedhof lagen, ein Stück ihrer Identität zurückgegeben—jedenfalls so viel wie Name, Lebensdaten und die Handschrift ihres Namenspatens über diese Menschen aussagen können. Im Anschluss an den Festakt gab es einen Gedenkgottesdienst in der Christus- König- Kirche, bei dem die Schüler:innen die Namen der Toten in Form eines Requiems verlasen, begleitet von Chor, Gesang und Tanz. Der gesamte Tag war für die Teilnehmenden sehr eindrucksvoll und es folgte ein Austausch über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von polnischen und deutschen Gottesdiensten. Den Abend ließen wir dann mit Bratwurst und Friedenstauben- Plätzchen neben der Kirche ausklingen. 

Die nächsten Tage dienten vor allem dem Kennenlernen der Teilnehmenden, aber gleichzeitig gab es auch viel Input zu den Themen Verfolgung und Widerstand während des NS- Regimes. Die Gruppe besuchte die Gedenkstätte Deutscher Wiederstand und nach der anschließenden gemeinsamen Freizeit folgte eine Stadtrallye durch Mitte in bi-nationalen Teams, die die Berliner Sehenswürdigkeiten sowie Gedenkorte innerhalb der Stadt miteinander verband. Auch besuchten wir das Archenhold- Gymnasium und auf die Geschichtsstunde, die in einen regen Austausch über Schulsysteme überging, folgten  im Chemieunterricht Experimente und sogar eine kleine Explosion. Den letzten Nachmittag verbrachten wir dann auf dem Friedhof in Altglienicke, wo sich die Teilnehmenden nach einem Rundgang mit Biografien der dort ruhenden Menschen in Gruppenarbeit auseinandersetzten und ihre Ergebnisse präsentierten. Im Sonnenuntergang endete der Tag mit einer Drachenbootfahrt. 

An den Abenden kochten einmal die polnischen und einmal die deutschen Schüler:innen köstliches traditionelles Essen. Beide Male gab es drei Gänge, die mit Stolz von den Küchenteams serviert wurden. Die Gruppe verbrachte die Enden des Tages gemeinsam an der Spree, am Tischkicker und beim Volleyballspielen, später mit Musik. In der gemeinsamen Zeit und tauschten sich die Teilnehmenden sowohl über kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten aus, es entstanden auch ganz persönliche Gespräche und Handynummern wurden ausgetauscht. 

Der Landesverband Berlin dankt dem DPJW, welches diesen Austausch durch seine finanzielle Förderung ermöglicht hat, und allen Beteiligten für diese schöne Woche!


Text: Johanna Greeske, FSJlerin beim Landesverband Berlin
 

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